Birkenwäldle

Brauerei Birkenwäldle

"Das ist Dragana, sie wird eure Beraterin sein"

Vom der Gründungsfinanzierung zum World-Beer-Award: Dragana Wosel, Beraterin der Gründerbank der Volksbank Stuttgart, und Piere Schanzenbach, mit seinem Bruder Patrick Gründer der Stuttgarter Biermarke „Birkenwäldle, sprechen mit uns über Gründer und das Gründen, über besondere Herausforderungen und gute Zusammenarbeit.

Interview mit Dragana Wosel und Pierre Schanzenbach

Frau Wosel, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Kontakt mit „Birkenwäldle“?

Dragana Wosel: Ich dachte, es war telefonisch, aber laut Pierre haben wir uns das erste Mal beim Gründergrillen [regelmäßiges, lokales Netzwerkevent für die Startup- und Gründungszene, die Red.] kennengelernt.

Pierre Schanzenbach: Mein Bruder und ich sind zielstrebig hingegangen, um dort deinen Kollegen zu treffen. Der hat dann gesagt: „Ich finde eure Geschäftsidee mega spannend – das ist Dragana, sie wird eure Beraterin sein.“

Herr Schanzenbach, Sie wollten ein Bier brauen, das Ihren Ansprüchen gerecht wird – das für Sie beste Bier?

Pierre Schanzenbach: Ohne unsere Leidenschaft zum Bier hätten wir das Projekt gar nicht begonnen. Unser Ansatz war: „Wenn wir was anfangen, dann muss das Bier für uns das beste im Kühlschrank sein.“ Es gibt sehr viele Bierstile und Craft-Biere, aber nicht unbedingt viele, die einem persönlich schmecken. Wir haben klar definiert: Wir wollen ein klassisches Lagerbier, aber mit unseren Werten und nach unserem Geschmack.

So haben wir das beste Bier für uns selbst gefunden. Allerdings: Wenn man tagtäglich mit Bier zu tun hat, trinkt man gar nicht mehr so oft welches – und greift also auch gar nicht mehr so oft in den Kühlschrank.

Interview mit Birkenwäldle
Pierre Schanzenbach, Dragana Wosel, Patrick Schanzenbach (v.l.n.r.)

Woher der Name „Birkenwäldle“?

Pierre Schanzenbach: Wir wollten ein Storytelling, das nicht auf den Gesichtern basiert oder besonders lokal-bezogen ist. Bei uns in Stuttgart-Zuffenhausen gibt’s die Straße „Im Birkenwald“. So haben wir uns den Fantasieort „Birkenwäldle“ ausgedacht: klein, fein, durch die Biozertifizierung naturverbunden. Die Birke strahlt, fällt im Wald unter anderen Bäumen auf. „Birkenwäldle“ funktioniert als Name perfekt, weil er sich im Gehirn festsetzt.

Warum sollten wir zum „Birkenwäldle“ greifen?

Pierre Schanzenbach: Wenn man klassisches Bier, besonders Kellerbier und Lagerbiere mag, dann sollte man dazu greifen, einfach um das Geschmackserlebnis kennenzulernen. „Birkenwäldle“ ist ein unfiltriertes, unpasteurisiertes Bier mit 5,2 Prozent Alkoholvolumen, durchgehend biozertifiziert, also keine Pestizide, Herbizide. Ein Bier, was man mit gutem Gewissen aus dem Regal nehmen kann, das schmeckt und einen besonderen Hopfen hat. Der heißt „Smaragd“ und sorgt für die Hauptnote, diesen Light-Geschmack.

Was waren in der Anfangsphase große und/oder unerwartete Hürden?

Pierre Schanzenbach: Erst einmal mussten wir auf 26 Quadratmetern eine Brauanlage konzipieren, die so skaliert werden kann, dass man sie auch irgendwann wirtschaftlich nutzen kann.

Dann wollten wir von Anfang an eine brandgesteuerte Marke sein, die auch anhand der Flasche wiedererkennbar ist. Den Lieferanten hatten wir gerade gefunden, und zwar in der Ukraine, als dort der Krieg startete: Da mussten wir wieder alles neu planen und kalkulieren.

Außerdem wussten wir zwar, dass die Branche schwierig ist – aber dass es so schwer ist, hier im Stuttgarter Gebiet gegenüber den großen Anbietern Platzierungen zu finden, hatten wir nicht erwartet – und das obwohl „Birkenwäldle“ von vornherein als Nischenprodukt gedacht ist.

Frau Wosel, welche typischen Fehler sehen Sie häufig bei Gründern?

Dragana Wosel: Oft sind in den Businessplänen die Zahlen zu optimistisch kalkuliert. Da möchte ich immer auch Planzahlen für Worst Case und Best Case haben, um es einordnen zu können. Die Gründer müssen ja auch alle drei Monate offenlegen, wie sich die Planzahlen zu den Ist-Zahlen verhalten, sodass wir im Ernstfall Maßnahmen einfordern können; das ist unsere Pflicht.

Ein anderes Thema ist betriebswirtschaftliches Wissen, was man als Unternehmer ja oft erst mit der Zeit ansammelt. Erst heute Morgen hat mir ein Gründer beim Termin gesagt, dass er das alles sehr komplex findet. Ich finde aber richtig gut, dass er sich dessen immerhin bewusst ist und die Herausforderung sieht. Das Betriebswirtschaftliche zu unterschätzen, ist ein häufiger Fehler.

Interview mit Birkenwäldle

Was macht eine Zusammenarbeit zwischen Startup und Bank von Anfang an erfolgreich?

Dragana Wosel: Auf jeden Fall, wenn wir merken, dass die Gründer sich schon über ihre Möglichkeiten und die Bedingungen informiert haben, zum Beispiel bei der L-Bank oder der Bürgschaftsbank. Ich empfehle, dass sie sich wie auf ein lockeres Bewerbungsgespräch vorbereiten, das macht die ersten Steps einfacher. Außerdem hilft eine offene und ehrliche Kommunikation.

„Birkenwäldle“ gibt es bisher nur in einer Sorte. Ist für die Zukunft ein breiteres Angebot geplant?

Pierre Schanzenbach: Selbstverständlich. Der Markt verlangt nach Produkten, die wir aktuell nicht anbieten. Alkoholfreies Bier zum Beispiel würde sehr gut ins Betriebsportfolio passen, weil wir die Marke auf eine Flasche und ein Bier fokussieren möchten, á la Jägermeister: die grüne Flasche mit den 52 Kräutern, aber auch die haben zwei, drei Nebenprodukte. Genauso wollen wir das auch abbilden. Aber es soll keine 40 verschiedenen Produkte geben.

Da der Absatz von Bier insgesamt sinkt, aber der von Alkoholfreiem steigt, wollen wir das natürlich auch anbieten – hoffentlich 2027. Das ist allerdings auch eine technische Frage, denn das können wir nicht selbst produzieren.

Im August wurde „Birkenwäldle“ beim World Beer Award in London zweimal geehrt: mit Gold in den Kategorien „Bottle Design“ und „New Launch“. Hat Sie das außergewöhnliche Design eher irritiert oder im Glauben an das Projekt bestärkt, Frau Wosel?

Dragana Wosel: Ich fand's definitiv positiv. Ich erinnere mich noch, wie mir die beiden einen der ersten Entwürfe gezeigt haben. In dem Markt gibt es so viele unterschiedliche Flaschen – ich habe vor mir gesehen, dass die Flasche im Laden hervorsticht, dass es was anderes ist; dass es zur Bio-Zertifizierung passt, auch farblich. Und es passt perfekt zur Story, unterstreicht sie noch mal.

Was ist für Sie das Wichtigste an der Begleitung durch die Gründerbank?

Pierre Schanzenbach: Jemanden zu haben, der an das Projekt und die Menschen glaubt. Bei uns passten einige Rahmenbedingungen nicht, aber die Bank hat uns trotzdem die Chance gegeben. Ich denke, das macht die Gründerbank aus: dass man miteinander redet. Sachlich und fachlich professionell, aber nie so ein typisches Bankgespräch. Man wurde von Anfang an gut begleitet und hat sich immer wohlgefühlt.

Wie hat sich die Rolle der Bank vom Orientierungsgespräch bis heute verändert? Wo sehen Sie die nächsten Meilensteine?

Dragana Wosel: Am Anfang haben wir natürlich die Startfinanzierung begleitet. Dazu muss man sagen: Für die Förderfähigkeit legt die Bürgschaftsbank sehr hohe Maßstäbe an. Wir geben den Gründern auch unabhängig davon die Möglichkeit, uns zu überzeugen. Bei „Birkenwäldle“ haben wir schnell gemerkt, dass es mehr ist als Hobby. Allein die Biozertifizierung, die sie ja schon vorweisen konnten, war für mich Zeichen genug: Die bekommt man ja nicht einfach so. Und der ausschlaggebende Punkt war, dass die Jungs eine fachliche Eignung aufweisen mussten.

Jetzt sind wir an einem Punkt, wo es ins Wachstum geht. In der Phase versuchen wir, „Birkenwäldle“ marketingtechnisch zu begleiten. Dazu gehört auch, dass wir sie und andere Gründer zum Beispiel für unsere eigenen Veranstaltungen buchen, ob Gründerländ oder die Beiratssitzung der Volksbank Stuttgart. Es gab schon die Auszeichnung „Gründer des Monats“ und Interviews, die auf jeglichen Social-Media-Plattformen gepostet wurden.

Was hat es mit dem Gründerländ auf sich?

Dragana Wosel: Das ist unsere hauseigene Veranstaltung, in der wir unseren Gründern und potenziellen Gründern die Chance geben, auf einer Bühne zu pitchen – wir spielen sozusagen einmal im Jahr „Höhle der Löwen“: Es gibt eine Jury, darunter Investoren; die Business Angels waren schon dabei, Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Wilhelm von Haller, meist Vertreter der IHK. Man kann 3000 Euro Preisgeld gewinnen, eine exklusive Beratung mit der Bürgschaftsbank und eine Businessplan-Absprache.

Insgesamt kommen bis zu 150 Personen in unseren Räumlichkeiten zusammen. Nach Möglichkeit lassen wir unsere Gründer über Catering mitwirken: zum Beispiel „Birkenwäldle“, die „mobile Wunschbar“ von Alexandra Wirth, WEIN-MOMENT, JAMI mit seinen portugiesischen Spezialitäten.

Pierre Schanzenbach: Daran nehmen nicht nur Kunden der Volksbank Stuttgart bzw. der Gründerbank teil. Das ist eine Veranstaltung für die ganze Gründerszene in Stuttgart, die ziemlich eng verdrahtet ist – also ein richtiges Communitybuilding und Netzwerken vor Ort.

Dragana Wosel: Die meisten Gründer sind sehr offen, die sind wirklich da zum Netzwerken, wollen aktiv in Kontakt kommen, sich austauschen.

Pierre Schanzenbach: Bestes Beispiel: Die mobile Wunschbar und wir werden jetzt Partner.

Wie würden Sie beide Ihre Zusammenarbeit in jeweils drei Worten beschreiben?

Dragana Wosel: Offen, partnerschaftlich, vertrauensvoll.

Pierre Schanzenbach: Professionell, ehrlich, freundschaftlich.

Frau Wosel, Herr Schanzenbach, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin spannende Existenzgründungen bzw. eine preisgekrönte Unternehmensgeschichte!

Dragana Wosel

Gründerbank Stuttgart - Gründerberaterin

Dragana Wosel begann nach ihrem Dualen Studium bei der Volksbank Stuttgart ihre Laufbahn im Firmenkundenbereich der Bank. Dort entdeckte sie schnell die Leidenschaft und das Engagement von Gründern für ihre Ideen – und ihre eigene Begeisterung dafür. Entsprechend gern ist sie nun Gründerberaterin bei der Gründerbank, einem eigens für Existenzgründungen und Startups eingerichteten Geschäftsbereich der Volksbank Stuttgart.

Pierre Schanzenbach

Birkenwäldle - Gründer

Er gründete gemeinsam mit seinem Bruder Patrick 2022 die Birkenwäldle UG. Während Patrick eher Zahlen, Termine und die Produktion überblickt, kümmert sich Pierre um Optimierung und Marketing – und sorgt dafür, dass „Birkenwäldle“ die Leute erreicht. Beide führen das Startup neben dem Vollzeit-Job: Pierre ist im Hauptberuf tätig als Betriebsleiter im Bereich Vertical Farming, Patrick im Dienstleistungssektor für MDM-Lösungen.

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