Im August wurde „Birkenwäldle“ beim World Beer Award in London zweimal geehrt: mit Gold in den Kategorien „Bottle Design“ und „New Launch“. Hat Sie das außergewöhnliche Design eher irritiert oder im Glauben an das Projekt bestärkt, Frau Wosel?
Dragana Wosel: Ich fand's definitiv positiv. Ich erinnere mich noch, wie mir die beiden einen der ersten Entwürfe gezeigt haben. In dem Markt gibt es so viele unterschiedliche Flaschen – ich habe vor mir gesehen, dass die Flasche im Laden hervorsticht, dass es was anderes ist; dass es zur Bio-Zertifizierung passt, auch farblich. Und es passt perfekt zur Story, unterstreicht sie noch mal.
Was ist für Sie das Wichtigste an der Begleitung durch die Gründerbank?
Pierre Schanzenbach: Jemanden zu haben, der an das Projekt und die Menschen glaubt. Bei uns passten einige Rahmenbedingungen nicht, aber die Bank hat uns trotzdem die Chance gegeben. Ich denke, das macht die Gründerbank aus: dass man miteinander redet. Sachlich und fachlich professionell, aber nie so ein typisches Bankgespräch. Man wurde von Anfang an gut begleitet und hat sich immer wohlgefühlt.
Wie hat sich die Rolle der Bank vom Orientierungsgespräch bis heute verändert? Wo sehen Sie die nächsten Meilensteine?
Dragana Wosel: Am Anfang haben wir natürlich die Startfinanzierung begleitet. Dazu muss man sagen: Für die Förderfähigkeit legt die Bürgschaftsbank sehr hohe Maßstäbe an. Wir geben den Gründern auch unabhängig davon die Möglichkeit, uns zu überzeugen. Bei „Birkenwäldle“ haben wir schnell gemerkt, dass es mehr ist als Hobby. Allein die Biozertifizierung, die sie ja schon vorweisen konnten, war für mich Zeichen genug: Die bekommt man ja nicht einfach so. Und der ausschlaggebende Punkt war, dass die Jungs eine fachliche Eignung aufweisen mussten.
Jetzt sind wir an einem Punkt, wo es ins Wachstum geht. In der Phase versuchen wir, „Birkenwäldle“ marketingtechnisch zu begleiten. Dazu gehört auch, dass wir sie und andere Gründer zum Beispiel für unsere eigenen Veranstaltungen buchen, ob Gründerländ oder die Beiratssitzung der Volksbank Stuttgart. Es gab schon die Auszeichnung „Gründer des Monats“ und Interviews, die auf jeglichen Social-Media-Plattformen gepostet wurden.
Was hat es mit dem Gründerländ auf sich?
Dragana Wosel: Das ist unsere hauseigene Veranstaltung, in der wir unseren Gründern und potenziellen Gründern die Chance geben, auf einer Bühne zu pitchen – wir spielen sozusagen einmal im Jahr „Höhle der Löwen“: Es gibt eine Jury, darunter Investoren; die Business Angels waren schon dabei, Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Wilhelm von Haller, meist Vertreter der IHK. Man kann 3000 Euro Preisgeld gewinnen, eine exklusive Beratung mit der Bürgschaftsbank und eine Businessplan-Absprache.
Insgesamt kommen bis zu 150 Personen in unseren Räumlichkeiten zusammen. Nach Möglichkeit lassen wir unsere Gründer über Catering mitwirken: zum Beispiel „Birkenwäldle“, die „mobile Wunschbar“ von Alexandra Wirth, WEIN-MOMENT, JAMI mit seinen portugiesischen Spezialitäten.
Pierre Schanzenbach: Daran nehmen nicht nur Kunden der Volksbank Stuttgart bzw. der Gründerbank teil. Das ist eine Veranstaltung für die ganze Gründerszene in Stuttgart, die ziemlich eng verdrahtet ist – also ein richtiges Communitybuilding und Netzwerken vor Ort.
Dragana Wosel: Die meisten Gründer sind sehr offen, die sind wirklich da zum Netzwerken, wollen aktiv in Kontakt kommen, sich austauschen.
Pierre Schanzenbach: Bestes Beispiel: Die mobile Wunschbar und wir werden jetzt Partner.
Wie würden Sie beide Ihre Zusammenarbeit in jeweils drei Worten beschreiben?
Dragana Wosel: Offen, partnerschaftlich, vertrauensvoll.
Pierre Schanzenbach: Professionell, ehrlich, freundschaftlich.
Frau Wosel, Herr Schanzenbach, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin spannende Existenzgründungen bzw. eine preisgekrönte Unternehmensgeschichte!